Was ist Schlaraffia?

Im Jahr 1859 wurde in Prag der Männerbund "Schlaraffia" (heute "Allschlaraffia") gegründet. Es waren Künstler, Theaterschaffende und an der Kunst Interessierte, die sich dort nach getaner Arbeit zusammenschlossen, um gemeinsam ein entspanntes Spiel zu spielen, das auf den Grundfesten: Kunst, Humor und Freundschaft basierte. "In Arte Voluptas" lautete ihr Wahlspruch, "In der Kunst liegt das Vergnügen". Das Ziel war, sich gegenseitig auf einem gepflegten Niveau zu unterhalten, aber auch spezielle Kenntnisse den befreundeten Sassen zu vermitteln. Als Symbol der Weisheit wählten sie den Uhu.

 

Die Regeln unseres Spiels basieren auf einer Persiflage auf die höfische Unterwürfigkeit des Kaiserreiches und lehnte sich im Gebaren an das edle Rittertum. Diese Regeln wurden seinerzeit im sogenannten "Spiegel und Ceremoniale" festgeschrieben und gelten auch nach mehr als 150 Jahren des Bestehens bis heute nur wenig verändert. Sie stellen sicher, daß Zwist und Streit des profanen Lebens außerhalb der Burgmauern des jeweiligen Reyches bleiben und während der Sippungen (so nennen wir unsere regelmäßigen Treffen) jeder nach Herzenslust dem Spiele frönen kann, ohne Gefahr zu laufen, sich in irgendeiner Weise zu blamieren. Wir unterhalten uns in Prosa und Gedichten, machen Musik, erzählen Geschichten, stellen unsere Bilder aus, führen Zauberküste vor, reden von wissenschaftlichen Erkenntnissen usw.. Worüber wir nie reden ist: Politik, Geld, Religionen und über alle Dinge, die einen anderen verletzen könnten. Diese Dinge können Mißvergnügen bereiten und widersprechen unserem Wahlspruch. Um aus der profanen Welt der Arbeit schnell zu entfliehen und sich auf die Sippung zu konzentrieren, werden die nicht-Einhaltung von Spiegel und Ceremoniale streng geahndet. Zur Erhöhung der Konzentration auf das Spiel benutzen wir eine spezielle Sprache, unser Schlaraffenlatein. So gelangt man schnell in unsere schlaraffische Welt und vergißt den Rest.

 

Der Männerbund wuchs schnell und es entstanden mehrere hundert Reyche in vielen deutschsprachigen Regionen, aber auch in Übersee, wo immer sich Schlaraffen niederließen. Während der Naziherrschaft wurde die Schlaraffia in Deutschland, Österreich und Tschechien verboten und der Bund schien zerschlagen. Allerdings lebte er in der Schweiz und den USA munter weiter, so daß am Ende des 2. Weltkrieges die Sassen der verloschenen Reyche sich großenteils wieder zusammenfinden konnten, und das schlaraffische Leben zumindest in den westlichen Zonen wieder erweckten. Die DDR erlaubte keine derartige Vereinigung. Erst nach ihrem Zerfall entstanden auch dort die alten Reyche wieder. Zur Zeit hat unser Bund weltweit etwa 11.000 Mitglieder.

 

Als Gast und Pilger sind Sie jederzeit uhuherzlich willkommen, an unseren Sippungen teilzunehmen. Wir haben nichts zu verbergen, sind kein Geheimbund, aber vielleicht auf Anhieb nicht leicht zu verstehen. Daher lohnt ein Besuch vor dem Urteil! Haben Sie Interesse an unserem Spiel, so können Sie nach einer Anmeldung und erfolgreicher Zustimmung der Sassen ("Kugelung") als "Knappe" in unseren Bund aufgenommen werden. Knappen und Junker werden an der Junkertafel von einem Junkermeister in den Regeln unseres Spiels ausgebildet, bevor sie nach einigen Prüfungen zum Ritter geschlagen werden können.

 

Ach ja! Wir werden manchmal als "Club der alten Säcke" bezeichnet. Das liegt sicher zu einem Teil daran, daß eine entspannte gegenseitige Unterhaltung einem im täglichen Existenzkampf und Ellenbogenbetrieb stehenden Mann nicht leicht fällt und er dies evtl. als "für meine Karriere nicht zielführend" oder "für so was hab ich keine Zeit" abtut. Daher entschließen sich meist erst ältere Männer zu uns zu kommen. Dabei ist die Entschleunigung eines Sippungsabends extrem erholsam, grade wenn man unter hohem Druck steht! In der Ruhe liegt die Kraft! Ein anderer Grund ist der, daß ein Teil unserer jüngeren Sassen (Mitglieder) einer profanen Arbeit nachgehen und daher nicht immer anwesend sein können. Die Regel ist: Schaffen geht vor Schlaraffen! Die Rentner sind daher zumeist während der Sippungen in der Mehrzahl...

Unsere Burg

Dies ist ein Abbild unserer Erlenburg, in der wir uns jeden Donnerstag in den Wintermonaten zu unseren Sippungen treffen. 

Die Burg wurde im Jahre 1927 für die Schlaraffia Am Erlenanger durch den weiland Rt. Bramante im ehemaligen Garten des Dichters Friedrich Rückert gebaut. Zur Zeit der Naziherrschaft war die Schlaraffia ab etwa 1937 verboten worden, auch der Verein in Erlangen mußte sich auflösen, und die Burg wurde der evangelischen Kirche übereignet.  Sie ist heute das Heim des CVJM.

Nach dem Krieg wurde uns ein Nutzungsrecht an unseren Sippungsabenden eingeräumt.

 

Wenn Sie Interesse haben, an einem Sippungsabend unseres Reyches teilzunehmen, dann wenden Sie sich bitte vorher an unser Kanzleramt (s.u.) um sicher zu gehen, daß wir auch da sind. Wir sind manchmal in der Winterung "aushäusig" weil wir z.B. bei unseren Freunden eine Gemeinschaftssippung abhalten. Einen Überblick gibt die "Sippungsfolge" (s.o.).


Unser Reych

Ritterhelm, schlaraffische Orden und Ehrungen unseres Reychsgründers und Erzschlaraffen weiland Rt. Knatterer der Flatterer, links untén der "Orden vom Kegel zum Pudel erster Klasse mit Eichenlaub der Praga"
Ritterhelm, schlaraffische Orden und Ehrungen unseres Reychsgründers und Erzschlaraffen weiland Rt. Knatterer der Flatterer, links untén der "Orden vom Kegel zum Pudel erster Klasse mit Eichenlaub der Praga"
Die Burgmusikanten spielen auf
Die Burgmusikanten spielen auf

Das Reych Am Erlenanger mit der Reichsnummer 232 (Mutterreych Norimberga (17), Ziehmutter Babenbergia (208)) ging 1923 (anno Uhui 64) aus einem Stammtisch hervor, dem der damalige Direktor des Textilunternehmens ERBA, Kommerzienrat Rupp, und ein Ritter der Norimberga – Friedrich von Pigenot (Rt. Knatterer der Flatterer) – angehörten. Letzterer hatte nach dem 1. Weltkrieg die Erlanger Studentenkompanie aufgebaut. 

Zu den Gründungsrittern gehörten ferner der Erlanger Bürgermeister H.G.F.W. Flierl (Rt. van Bett), Stadtbaurat Adolf Hartmann (Rt. Rembrandt), Rechtsrat Gustav Hahn (Rt. Knuffig), der Universitäts-Syndikus Hans Rhomberg (Rt. Roland), Universitätsprofessoren und Fabrikanten sowie der Universitäts-Oberbauamtrat Josef Groß (Rt. Bramante), der die Erlenburg (Südliche Stadtmauerstr. 21) schuf.

Die Sanktionierung des Reyches erfolgte am 25. Ostermond a. U. 67, die Einweihung der eigenen Burg am 14. Windmond des nämlichen Jahres. Nach der uhufinsteren Zeit und der Enteignung der Burg (1937) erfolgte die Wiedergründung im profanen Jahr 1949.

Mehrere Ritter aus uhufinsteren Reychen im Osten, darunter die Praga-Ritter l’Enfant, Miltiades und Herstellt, stießen bald zum Erlenanger. Mit der evangelischen Landeskirche, nunmehr Besitzerin der Erlenburg, wurde ein Vergleich über die unentgeltliche Nutzung geschlossen. Zu den führenden Köpfen gehörten in den Nachkriegsjahrzehnten General a.D. Max Grimmeiß (Rt. Eisenbeiß), Direktoren namhafter Industrieunternehmen wie Max Anderlohr, (Rt. Anderl) B.E.W. Range (Rt. Tippokrates), Albrecht zur Linden (Rt. Lindwurm), Wilhelm Surholt (Rt. Hederitt), Kurt Engel (Rt. Ahngelüst), Bankdirektor Franz Karwath (Rt. Satyr, einst in der Preciosa Iserina sesshaft), der Spielwarengroßhändler Carl Scholl (Rt. Schill), der Unternehmer Gernot Dennukat (Rt. Redefroh), der Jurist Heinz Wolf (Rt. Justifix) und der Kunstmaler Willi Hilpert (Rt. Waldkauz), um nur einige Ahalla-Recken hervorzuheben.

Mehrere Straßen im profanen Erlangen sind nach Schlaraffen benannt.

Das Reych am Erlenanger, das als „aha-kademisches“ und und mit seiner „Stubenmusi" als sehr musikalisches Reych im Uhuversum bekannt ist und inzwischen Kontakte bis nach Aha-merika pflegt, floriert heute mit etwa 60 Mitgliedern und zahlreichen Ehrenrittern. Im Mittelpunkt des Spieles stehen neben allen schönen Künsten anspruchsvolle und heitere Themensippungen sowie Kabarettabende.

Literatur: Gebauer, H. (Rt. Van Tast der Carnove): Chronik des Reyches Am Erlenanger. 75 Jahrungen anno Uhui 64 bis 139. Als Manuskript gedruckt, Erlangen 1998.


1859 (a.U. 0)

Gründung der Schlaraffia in Prag. Das "Mutterreych" der Praga (1) wurde aus der Taufe gehoben.

1923 (24. im Hornung a.U. 64)

Gründung des hohen Reyches Am Erlenanger wurde gegründet. Das Mutterreych ist die Norimberga (17, gegr. a.U. 21), unsere Ziehmutter die Babenbergia (208, gegr. a.U. 61)

1926 (a.U. 67)

Sanktionierung des Reyches Am Erlenanger durch die "Allmutter Praga" (1) und Einweihung der heutigen Erlenburg

1937 (a.U. 78)

Enteignung der Burg, beginn der Uhu-finsteren Zeit in Erlangen

1949 (a.U. 90)

Wiederbelebung  des h.R. Am Erlenanger 

1996 (a.U. 137)

75 Jahrfeier der Gründung des h.R. Am Erlenanger, es wird ein spezieller Ahne von wld. Rt Sag-So-krates gefechst.

2017 (a.U. 158)

Die 2222. Sippung des allzeyt fröhlichen Reyches Am Erlenanger am 5. im Lethemond a.U.157 wird zu Beginn der Winterung gefeiert. Ein spezieller Ahne wurde für dieses Ereignis geschaffen und ausgegeben

2023 (a.U. 164)

In diesem Jahr wird das hohe Reych Am Erlenanger voraussichtlich sein 100 jähriges Bestehen feiern.

 


Reych 232

Kontakt

TELEFON:  09131-23274 (nur am Sippungsabend)

ADRESSE:  Südliche Stadtmauerstrasse 21 (CVJM-Haus), 91056 Erlangen

Kanzlerambt

Horst Lang

Siedlerstrasse 16

91056 Erlangen

Telefon: 09131 304143

Fax: 09131 6879643

Mobil: 0172 1087818

k-232.pantograph@t-online.de

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